Pressebericht:
Kleine Zeitung vom 16.03.2005 - ["Alles in der Hand, alles aus eigener Hände Arbeit"]

 

Alles in der Hand, alles aus eigener Hände Arbeit

 

Ob Gemeindeordnung oder Plakatgestaltung: Die Vertreter der Bürgerlisten müssen alles drauf haben und gleichen der Eier legenden Wollmilchsau...

UTE GROSS

Sie schreiben Aussendungen, gestalten Plakate, basteln zwischendurch an der Homepage, zerbrechen sich den Kopf über billige aber effektive Wahlwerbung und kleben nach der Wahl auch noch selbst den Dank an die Wähler auf die Litfasssäulen: die Mitglieder der Bürgerlisten.

Unabhängige Initiativen haben keinen Parteiapparat im Hintergrund, legen überall selbst Hand an und sorgen aus eigener Kraft für die Füllung der "Kriegskasse". In Rohrmoos-Untertal beginnt jetzt die vierte Amtszeit von Bürgermeister Peter Pilz, mit seiner neutralen Bürgerliste holte er diesmal überhaupt die absolute Mehrheit und hält bei neun von 15 Mandaten. "Für mich ist die Unabhängigkeit ein absoluter Vorteil, Parteipolitik hat auf Gemeindeebene nichts verloren. Das ist aber nicht als Angriff auf die Etablierten zu verstehen, aber ich möchte mich keiner Parteitaktik beugen müssen", begründet Peter Pilz seine Einstellung, die 1990 zur Abspaltung von der ÖVP geführt hat. Auch bei Bedarfszuweisungen fühlt er sich nicht stiefmütterlich behandelt: "Ich weiß nicht, ob ein ÖVP-Mann den einen oder anderen Tausender mehr bekommen hätte, aber wir werden sicher nicht benachteiligt. Letztendlich zählt die Sinnhaftigkeit von Projekten." Keine Parteistruktur im Hintergrund zu haben bedeute zwar mehr Arbeit, er würde das aber nicht unter der Rubrik "Nachteil" einordnen, so Pilz.

In Bad Mitterndorf stellt der "Grimmingdialog" künftig den Ortschef, der Wahlkampf wurde mit Spenden der Kandidaten und Unterstützern finanziert. Mitgliedsbeiträge werden wie auch bei den anderen Bürgerlisten nicht eingehoben. "Dass man alles selbst machen muss, schweißt eine Gruppe stark zusammen, tatsächliche Nachteile sehe ich in der Unabhängigkeit nicht, auch über die Bedarfszuweisungen mache ich mir keine Sorgen", sagt der künftige Bürgermeister Karl Kaniak.

Eine der wenigen kleinen Listen im Bezirk, die sich mittlerweile etabliert hat, ist LIEB in Liezen, die jetzt die dritte Periode im Gemeinderat antritt. Die Entstehung geht auf den Kampf gegen die Ennstrasse zurück, 1990 schaffte die Gruppe auf Anhieb drei Mandate. Nach dem Verlust eines Mandates im Jahr 2000 gab es diesmal wieder Gewinne, am dritten Sitz wurde knapp vorbeigeschrammt. Das Ennstrassen-Thema brennt derzeit nicht unter den Nägeln, LIEB setzt auf Kontrolle im Gemeinderat und Umweltfragen.